Die Sage von Trollwuät
Es war einmal eine Zeit, in der die Trolle Seite an Seite mit den Menschen lebten. Zunächst lebten sie friedlich miteinander, teilten ihre Geschichten und ihre Erde, doch bald begann sich ein Schatten über diese Freundschaft zu legen.
Die Menschen, zunächst neugierig und offen, begannen sich mehr und mehr vor den Trollen zu fürchten. Sie fürchteten ihre Stärke, ihre Magie, und vor allem ihre Unberechenbarkeit. So gingen die Trolle in den tiefen Wald und verliessen die Dörfer der Menschen.
Doch nach Jahrzehnten des Rückzugs machte sich bei den Trollen eine Traurigkeit und Schwere breit. Besonders in den langen, dunklen Wintermonaten, wenn der Wind durch die kahlen Bäume heulte und der Schnee den Boden wie ein Meer aus Eis und Stille bedeckte, fühlten sich die Trolle einsam und von der Welt entfremdet. Ihre Herzen, die einst so voller Energie waren, wurden schwer.
Der älteste und weiseste Troll spürte diese Schwermut und suchte nach einem Weg, das Gleichgewicht wiederherzustellen. So erschuf er das Trollbluät, einen mächtigen Saft aus den uralten Wurzeln der Welt, aus dem Herzen des Waldes, gemischt mit der Magie der Sterne und dem Wind der Berge. Das Trollbluät gab den Trollen ihre Energie zurück, brachte Leben in ihre Adern und füllte ihre Seele mit der Kraft, die sie verloren hatten.
Als die Jahre vergingen, erzählten sich die Trolle die Geschichten von den Menschen, und einige junge Trolle, voller Neugier und Abenteuergeist, begannen sich zu fragen, wie es wohl in der Welt der Menschen aussah. Eines Tages, ohne das Wissen der Ältesten, machten sich einige junge Trolle auf, die Menschen zu suchen.
Über den Stockberg wanderten sie Richtung Nord-West und kamen in das Dorf Siebnen. Sie fanden eine Welt, die von Ernst, Zweifel und Missgunst geprägt war. Der Winter schien härter als je zuvor. Die Menschen waren müde, gezeichnet von der Mühsal des Lebens, und der Frost hatte nicht nur die Erde, sondern auch ihre Herzen erstarren lassen. Es war, als ob die Sonne nie mehr scheinen würde.
Nach vielen Überlegungen beschlossen die jungen Trolle, das Trollbluät das sie bei sich hatten, zu den Menschen zu bringen. Es war eine gefährliche Entscheidung, doch die jungen Trolle wollten den Menschen das Leben zurückgeben, das sie verloren hatten. Also brachten sie das mystische Getränk in das Dorf und verteilten es unter den Menschen von Siebnen.
Zuerst hielten die Menschen es für einen Zaubertrank, für etwas Gefährliches. Doch als sie es tranken, wurden sie von einer mächtigen Energie erfüllt. Sie erlangten die Kräfte eines Trolls. Spass, Chaos und Unordnung machten sich breit und ihre Heiterkeit war angenehm ansteckend. Sie fühlten sich wärmer, stärker und klarer. Die trüben Gedanken, die den Winter über ihr Leben gehüllt hatte, begannen zu verfliegen. Die Sonne schien wieder etwas heller, und in den Herzen der Menschen entstand Hoffnung.
Mit diesen Erfahrungen kehrten die jungen Trolle zurück und erzählten von ihren Erlebnissen. Die anderen Trolle waren jedoch nicht sehr begeistert und fühlten sich überrumpelt, eine heftige Diskussion entbrannte und drohte zu eskalieren. Da erklang die mächtige Stimme des Ältesten und alle schwiegen vor Ehrfurcht. Er hatte die Situation sofort verstanden und auch bereits eine Lösung bereit:
Eine Gruppe von Freiwilligen soll das Trollbluät zu den Menschen bringen und es mit ihnen teilen, sodass kein Missbrauch des wertvollen Saftes entstehen kann. Sie sollen die Menschen animieren mit Lachen, Tanzen, Trinken und dem unaufhaltsamen Drang, alles in ihrer Nähe zu verwandeln.
Diese Gruppe soll den Namen Trollwuät tragen.
